1982 Aerodynamik Weltmeister, 1986 erste vollverzinkte Karosserie, 1988 erster Fünfzylinder-TDI-Motor.
Die Entwicklung der dritten Generation des Audi 100 war geprägt vom explosionsartigen Anstieg der Ölpreise in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Plötzlich schienen nur noch verbrauchsarme Kleinwagen eine Zukunft zu haben. Ziel der Techniker bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm war es deshalb, einen Wagen auf die Räder zu stellen, der es trotz des Raumangebots und anderer Komfortmerkmale der gehobenen Klasse im Verbrauch mit wesentlich kleineren Fahrzeugen aufnehmen konnte. 25 Prozent weniger als die entsprechenden Vorgänger sollten die neuen Modelle konsumieren – eine Herausforderung, die enorme Anstrengungen in allen Bereichen erforderte. Gewichtseinsparung durch den konsequenten Einsatz leichterer Materialien, die Optimierung von Motoren und Getrieben und eine aerodynamisch ausgefeilte Karosserieform waren die wesentlichen Maßnahmen, die dazu beitrugen, das hochgesteckte Ziel zu erreichen. Besonders die strömungsgünstige Form sorgte für Aufsehen, als der neue Audi 100 im Herbst 1982 seinen ersten Auftritt hatte. Der Weltmeister im Windkanal war mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,30 der Konkurrenz von damals weit voraus. Entwickelt worden war die Fahrzeuglinie aus einem strömungstechnisch optimalen Grundkörper, von dem Aerodynamiker und Designer gemeinsam die endgültige Karosserie ableiteten. Der revolutionäre „C3“ kam auf dem Markt ausgezeichnet an. Denn die Wirtschaftlichkeit eines Wagens hatte hohen Stellenwert, und gerade in dieser Disziplin überzeugt der neue große Audi. Die schnittige Form, so wurde schnell klar, sah nicht nur gut aus, sondern bot praktische Vorteile: Trotz üppigen Platzangebots und hoher Endgeschwindigkeit war der Verbrauch niedrig. So erreichte das Basismodell mit dem 75 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder-Motor ein Tempo von 165 km/h, gab sich aber mit 7,5 Litern auf 100 Kilometer zufrieden. Nur wenige Zehntelliter mehr konsumierten die beiden Fünfzylinder mit 2,0 Liter und 100 PS bzw. 2,2 Liter und 136 PS, die immerhin 176 bzw. 200 km/h schnell waren. Mit 7,1 Litern kam der 70 PS starke Fünfzylinder-Diesel aus.
Kein Wunder, dass die Konkurrenz nicht müde wurde, auf Nachteile der extrem windschlüpfigen Karosserie hinzuweisen. In der Tat heizte sich der Innenraum bei Sonnenschein durch die großen, sehr schräg stehenden Scheiben enorm auf. Die eingezogenen Seitenscheiben beeinträchtigten die Innenraumbreite im Schulterbereich und beim Öffnen der Türe ergoss sich bei Regen jedes Mal Wasser vom Dach auf die Sitze weil die Regenrinne fehlte. Deshalb war für das Dachgepäck auch ein teurer Spezialträger erforderlich. Doch das Gesamtkonzept des Audi 100 C3 überzeugte. Die Motoren waren überarbeitet worden und boten mehr Drehmoment im unteren Bereich, was ebenso zur Verbrauchsminimierung beitrug wie eine höhere Verdichtung, die Schubabschaltung bei den Fünfzylinder-Motoren und die serienmäßigen Fünfganggetriebe mit lang übersetzter oberer Stufe.
Vorderradaufhängung und Lenkung waren im Prinzip vom Vorgänger übernommen worden, eine neue Hinterachse – mit schräg angeordneten Federbeinen, Längslenkern und Panhardstab – verbesserte die Fahreigenschaften. Trotz der vergrößerten Karosserie hatte sich das Gewicht des Autos nicht erhöht. 21.600 DM kostete das Basismodell Ende 1982, für 26.260 DM gab es bereits den 2,2-Liter mit 136 PS. Ab 1983 folgte dann auch in der dritten Generation ein Avant, eine formschöne Variante mit Fließheck und umklappbarer Rückbank. Als vollwertiger Kombi konnte die schnittige Variante nicht gelten, weil zugunsten der Optik das Dach nach hinten stark abgeschrägt war: man bezeichnete den Avant daher auch gerne als „Kombi-Coupé“.
Nicht zuletzt aufgrund der vermehrt ab Mitte der 1980er in der Öffentlichkeit diskutierten Forderung um bessere Umweltverträglicheit von Automobilen gehörte bei Audi ab 1987 der geregelte Dreiwege-Katalysator in der ganzen 100er-Baureihe zur Serienausstattung. Im Zuge der Umrüstung wuchs der Hubraum beim Fünfzylinder-Motor auf 2,3 Liter. Nach einer Modellpflege im Jahr 1988 hatte ein Jahr später dann das Topmodell der C3 Baureihe Premiere: der Audi 200 quattro 20V mit Fünfzylinder-Motor und Vierventiltechnik galt unter Experten als bestes Pferd im gesamten Audi-Programm und glänzte mit 220 PS Leistung und einer Endgeschwindigkeit von 240 km/h.
Anfang 1990 folgte die Sensation. Nach vielen Jahren Entwicklungsarbeit war ein Dieselmotor mit treibstoffsparender Direkteinspritzung serienreif geworden. Zuerst eingesetzt im Audi 100 TDI, leistete der richtungsweisende neue Motor 120 PS und brachte den Audi 100 so auf Tempo 200 km/h. Dabei begnügte sich das neue Modell mit einem DIN-Verbrauch von lediglich 6 Litern auf 100 Kilometer. In Kombination mit dem Allradantrieb quattro und zusammen mit der seit 1986 serienmäßigen vollverzinkten Karosserie stand nun kein anderes Modell in der gesamten Modellpalette bei Audi mehr für den Markenslogan „Vorsprung durch Technik“. Es verwundert daher kaum, dass die Generation C3 mit knapp 1 Million gebauter Exemplare erneut erfolgreicher wurde als seine beiden Vorgänger.